CLAUSTRUM: Der geschlossene Raum

Kreatives Schreiben mit Jugendlichen im Augusterkloster Gotha

„Wörterwelten“
ein Projekt des Bundesverbandes Friedrich Bödecker Kreise e.V. gefördert durch „Kultur macht stark. Bündnis für Bildung“
Kooperationspartner sind, FBK Thüringen, das Ernestinum Gymnasium Gotha das Augustinerkloster Gotha
Lyrischer Beitrag: Romina Nikolic´
Gesamtltg., Idee & Durchführung: Jana Franke


Presse vom 6.12.2024 Dirk Bernkopf

Jana Franke: Workshop & Ausstellung im Augustinerkloster Gotha

Schü­ler gera­ten im Klo­ster in einen Schreib­flow

Fünf – bis Acht­kläs­sler erle­ben Krea­ti­vi­tät in histo­ri­schem Ambiente. Die Ergeb­nisse sind in der Augu­sti­ner­kir­che aus­ge­stellt

Ins­ge­samt 15 Stun­den wird an den Geschich­ten gear­bei­tet. Man­che Geschichte ist noch nicht zu Ende geschrie­ben, sie entwickelt noch. Zeich­nun­gen, Geschich­ten und Gedichte sind auf großen A2 Arbeits­blät­tern zu fin­den, die Schü­le­rin­nen und Schü­ler aus den Klas­sen 5 bis 8 des Gothaer Gym­na­si­ums Erne­sti­num gestal­tet und in der Augu­sti­ner­kir­che aus­ge­stellt haben. Ins­ge­samt 13 Mäd­chen und Jun­gen lie­ßen bei einem Schreib­work­shop mit der Schrift­stel­le­rin Jana Franke ihren Gedan­ken und Sin­nes­ein­drücken zur Musik freien Raum und schu­fen diese indi­vi­du­el­len Blät­ter.

Krea­ti­ves Schrei­ben in der Klo­ster­bi­blio­thek: Die Pots­da­mer Schrift­stel­le­rin Jana Franke im Kreise eini­ger Teil­neh­mer des Schreib­work­shops.

Die krea­tive und für alle Betei­lig­ten span­nende Zeit beginnt mit einer kur­zen Lesung in der Bro­macker-Son­der­aus­stel­lung auf Schloss Frie­den­stein. Der Ort ist bewusst gewählt, da die Pots­da­mer Schrift­stel­le­rin hier bereits im ver­gan­ge­nen Jahr mit Schü­lern des Erne­stin­ums die „BROM@CKER­ge­schich­ten“schrieb.

Einige Teil­neh­mer des ver­gan­ge­nen Jah­res haben offen­sicht­lich Gefal­len am Schrei­ben gefun­den und betei­li­gen sich auch am aktu­el­len Work­shop mit Jana Franke. Das Thema in die­sem Jahr lau­tet „CLAUSTRUM: Der geschlos­sene Raum“. Als Arbeits­platz für das Schrei­ben dient dies­mal das Augu­sti­ner-Klo­ster in Gotha. Ver­schie­dene Klo­ster­be­rei­che, wie die Luther­stube, die Biblio­thek, der Kreuz­gang oder der neu geschaf­fene „Frei­raum“in der Kir­che kön­nen von den Kin­dern genutzt wer­den. Ins­ge­samt 15 Stun­den, ver­teilt auf fünf Tage, ste­hen für das Schrei­ben und Gestal­ten zur Ver­fü­gung.

Bevor die Teil­neh­mer selbst schrei­ben, dür­fen sie einer wei­te­ren Lesung von Jana Franke an einem beson­de­ren Ort lau­schen. In der klei­nen Han­nah-Höch-Buch­hand­lung am Haupt­markt sit­zen die Kin­der dicht bei­ein­an­der, dür­fen anschlie­ßend in den Rega­len stö­bern und ein Lieb­lings­buch mit­neh­men.

Dann sind sie selbst gefragt. Ihnen steht es frei, was sie schrei­ben. Doch die unge­wohnte Umge­bung gibt die Rich­tung vor. Die Mäd­chen und Jun­gen genie­ßen die Stille in der Klo­ster-Biblio­thek, sie bege­ben sich beim Betre­ten des Kreuz­gangs mit ihren Gedan­ken auf eine Reise in das Mit­tel­al­ter. Was pas­sierte einst in einem Klo­ster, wie leb­ten die Men­schen hier?

„Ich gebe keine Auf­ga­ben vor, ich gebe nur Impulse“, sagt Jana Franke. „Die Kin­der arbei­ten eigen­stän­dig und kommen in einen Schreib­flow, den man nicht unterbrechen darf. “Die Kin­der haben jeweils ein Ein­schreib­heft. Hier sam­meln sie ihre Gedan­ken, hier kön­nen sie sich auch ihre Sor­gen von der Seele schrei­ben. Das Heft bleibt für die Öffent­lich­keit tabu, die Kin­der bestim­men, ob es jemand lesen darf.

Zuerst wer­den die Arbeits­blät­ter aus dickem Zei­chen­kar­ton bunt gestal­tet, die Flä­chen für die Texte sind dabei abge­klebt. Die Schü­ler zeich­nen, foto­gra­fie­ren, gestal­ten die Blät­ter nach Lust und Laune. Per­fek­tio­nis­mus wird nicht ver­langt. „Per­fek­tio­nis­mus macht uns kaputt, wir müs­sen feh­ler­freund­li­cher wer­den“, meint Franke.

In einem Arbeits­heft wer­den die Texte ver­fasst, die in einem letz­ten Schritt auf die Aus­stel­lungs­blät­ter über­tra­gen wer­den. Dabei kön­nen die Kin­der recht frei arbei­ten. Ein­zige Vor­gabe von Jana Franke: „Schreibt leser­lich und steht zu dem, was ihr macht!“Gram­ma­tik und Recht­schrei­bung sind im Krea­ti­vi­täts­pro­zess hin­tenan gestellt.

Marie hat zum Ein­schrei­ben per­sön­li­che Dinge notiert, auch ein Gedicht geschrie­ben. „Man lernt sich bei der Arbeit selbst neu ken­nen“, fin­det die 13-Jäh­rige, die schon an den Bro­macker-Geschich­ten mit­ge­schrie­ben hat.

Gustav (14) wäre zum Schrei­ben am lieb­sten in der Buch­hand­lung geblie­ben, hat aber dann in der Luther­stube unterm Tisch ein ruhi­ges Plätz­chen zum Schrei­ben gefun­den.

Kathy, Marie und Char­lotte haben einen Dia­log auf drei Blät­tern geschrie­ben – ihre Arbei­ten ste­hen in einem Bezug zuein­an­der. „Das hat sich erst beim Schrei­ben so erge­ben“, erklärt Kathy.

Petar stammt aus der Ukraine und hätte auch in sei­ner Mut­ter­spra­che schrei­ben kön­nen. Er schrieb auf Deutsch, am lieb­sten in der Klo­ster-­Bi­blio­thek.

Sarah konnte sich in der unge­wohn­ten Umge­bung gedank­lich auf eine Zeit­reise zu den Non­nen bege­ben. „Ich kann gut nach­füh­len, wie jemand hier betend durch den Kreuz­gang gelau­fen ist. Die Umge­bung ist sehr inspi­rie­rend“, sagt Sarah und legt meh­rere in Schön­schrift beschrie­bene Blät­ter vor. Sie hat eine Geschichte über das Mäd­chen Ama­lia ver­fasst, dass ins Klo­ster kommt. „Das ist nur das erste Kapi­tel, die Geschichte werde ich zu Hause fort­set­zen.“

Unter­stützt wurde das Pro­jekt vom Bun­des­ver­band der Fried­rich­-Bö­decker-Kreise e.V. Bündnisse für Bildung, gefördert durch Kultur macht Stark. Jana Franke dankt auch dem Augu­sti­ner­klo­ster. Das freie Bewe­gen hin­ter den Klo­ster­mau­ern hat die Krea­ti­vi­tät der Kin­der erst rich­tig frei­ge­setzt.

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